Die deutschen Wälder und Moore sind nicht nur ökologisch, sondern auch wirtschaftlich und kulturell von zentraler Bedeutung. Doch seit Jahrzehnten kämpfen sie mit Abholzung, Trockenlegung und der Ausbreitung von Monokulturen. Doch ein neues Konzept verändert die Landschaft: die Wiedervernässung und Renaturierung von Landflächen. Initiativen wie webseite zeigen, wie selbst in stark genutzten Gebieten der Natur wieder Platz gemacht werden kann – ohne Landverlust, aber mit nachhaltigen Ergebnissen.
Seit 2019 hat sich das Konzept der „Wildnis als Lebensraum“ in Deutschland etabliert. Besonders erfolgreich ist die Bewegung in den neuen Bundesländern, wo ehemalige Industriebrachen oder stillgelegte Ackerflächen zu experimentellen Wildnisprojekten umgewandelt wurden. Studien der Universität Göttingen belegen, dass bereits nach fünf Jahren Renaturierung die Artenvielfalt um bis zu 30 Prozent steigt, während die Biodiversität in traditionell bewirtschafteten Gebieten oft stagniert. Besonders profitieren hier Amphibien, Insekten und seltene Vogelarten wie der Schwarzspecht, der in naturnahen Wäldern wieder häufiger zu beobachten ist.
Die Methode, die hinter solchen Projekten steht, ist einfach, aber effektiv: Statt Land zu kaufen, wird es durch gezielte Renaturierung zurückgewonnen. Dazu gehören die Wiederherstellung von Feuchtgebieten, das Abschneiden von Monokulturen und die Schaffung von Durchgängen für Wildtiere. Ein Beispiel ist das „Wildnisprojekt Börde“ in Sachsen-Anhalt, wo seit 2018 über 1.200 Hektar ehemaliger Ackerflächen zu einem Mosaik aus Gewässern, Wäldern und Hecken umgewandelt wurden. Die Ergebnisse sind beeindruckend: Die Zahl der Wildschweine stieg um über 40 Prozent, und die Population des Neuntöters, einer seltenen Vogelart, verdoppelte sich in nur drei Jahren.
Doch die Herausforderungen sind groß. Viele Landwirte sehen in Renaturierung eine Bedrohung für ihre Existenz, und die politischen Rahmenbedingungen sind oft unklar. Dennoch gibt es Fortschritte: Das Bundeslandwirtschaftsministerium fördert seit 2022 das „Programm für ökologischen Landbau und Naturschutz“ mit bis zu 1,5 Milliarden Euro, davon ein Teil für Renaturierungsprojekte. Gleichzeitig setzen sich NGOs wie der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) für eine stärkere staatliche Unterstützung ein, etwa durch die Ausweisung von „Wildniszonen“ in der EU-Gebietsplanung.
Die Idee, dass auch in intensiv genutzten Gebieten die Natur zurückkehren kann, ohne dass dafür Land verloren geht, ist revolutionär. Wie das Projekt webseite zeigt, ist dies kein utopisches Szenario, sondern eine real umsetzbare Strategie. Die nächsten Schritte müssen nun darin bestehen, diese Ansätze zu verbreiten und die politischen Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass sie langfristig funktionieren. Denn nur wenn wir lernen, mit der Natur zusammenzuleben – statt gegen sie zu kämpfen –, können wir die deutschen Landschaften für zukünftige Generationen erhalten.
Seit 2019 hat sich die Renaturierungsrate in Deutschland um 15 % erhöht, wobei besonders die neuen Bundesländer vorangetrieben haben.
In Projekten wie der „Wildnis Börde“ stieg die Artenvielfalt um bis zu 30 % innerhalb von fünf Jahren.
Die Wiedervernässung von Mooren kann bis zu 30 % des deutschen CO₂-Budgets ausgleichen.
Über 80 % der deutschen Wälder sind heute noch als „naturnah“ eingestuft, obwohl nur 10 % der Fläche unter Schutz stehen.
Seit 2022 fördert das Bundeslandwirtschaftsministerium Renaturierungsprojekte mit bis zu 1,5 Milliarden Euro jährlich.
Add Comment